ST. Antonius Schützenverein Nordbrock

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Schützenverein Nordbrock

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St. Antonius Schützenverein Nordbrock

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Historie / Geschichte
Gründung des Schützenvereines St. Antonius Nordbrock
  
1921 gründete  Nordbrock einen eigenen Schützenverein. Bis dahin gehörten die  Nordbrocker zu den Dingdener Schützenvereinen. Doch schon vor 1921 gab es in Nordbrock so etwas wie ein Schützenfest. Um 1870 scheinen auch die Nordbrocker eine „Schütterei“ unter ihren Gildemeistern gefeiert zu haben. Wilhelm Hufe weiß zu berichten, dass bei der Gründung des Nordbrocker Schützenvereins die alte Königin von 1870 noch lebte. Tanzlokal war Hof Stamm, vermutlich in Kooperation mit Köper. Hier wurde also, wie es heißt, stets in seltener Eintracht das „Geloog“ der alten „Terbröcker“ gefeiert. Später schlief diese „Schütterei“ des alten Stils still. Gründe dafür sind nicht überliefert. Die Nordbrockerscheinen dem nicht nachgetrauert zu haben, hatten sie doch Gelegenheiten genug ausgiebig zu feiern:
   
  * das „Schaddenbier“ [von Schatzung, Abgabe bei den Neuvermählten],
  * das „Prumenzechten“ [zur Zeit der Pflaumenreife],
  * die „Mispelfiern“ [bei der Mispelfeier nach den ersten Nachtfrösten],
  * die Maibaumfeiern [bei Neubauten],
  * „Fastelovent“ [Karneval],
  * die „Kerserfier“ [bei der Herstellung der Lichtmesskerze] und nicht zuletzt
  * bei den „Zechten“, einer Teilnahme aller Nordbrocker bei einer Hochzeitsfeierlichkeit.
  
So blieb es bis zum Ersten Weltkrieg. Als er zu Ende war, begannen in Deutschland die Schicksalsjahre. Mit großer Motivation begann 1914 der Krieg. Viele Tausende meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst. Jeder glaubte an die Kriegsschuld der Gegner und jeder zog aus, um sein bedrohtes Land zu verteidigen. 1918 endete der Krieg mit einer Niederlage in großem Chaos. Jeder war am Boden zerstört. Selbst in Nordbrock ging der Kontakt untereinander verloren; jeder hatte seine  eigenen Sorgen. Jetzt besann man sich der einstigen so schönen Feste. War es nun die Freude darüber, dass jetzt endlich die schrecklichen Jahre des Krieges zu Ende gegangen waren oder war es lediglich das Bestreben anderen gleichzutun, jedenfalls kamen Anfang 1921 – als das Leben sich wieder einigermaßen normalisierte – alle Nordbrocker zusammen und riefen übereinstimmend den Schützenverein Nordbrock (seit 1924 Schützenverein St. Antonius Nordbrock) ins Leben.
  
Es wurde beschlossen, dass jedes Jahr ein Schützenfest gefeiert werden sollte und dieses von Hof zu  Hof mit genügend vorhandenem Platz weitergegeben würde. Ein  vierköpfiger Vorstand – bestehend aus: Johann Groß-Heynk [Hauptmann], Johann Hufe [Adjutant], Gerhard Frankenmölle [Feldwebel] und Johann Ritte [Vizefeldwebel] – wurde gewählt. So traf man sich im Sommer 1922 auf der großen Diele von Wilhelm Hufe. Trotz der schlechten Zeit und der Hyperinflation wurde ein schönes und harmonisches Fest gefeiert. Viele hatten es in dieser Form noch nicht erlebt. Infolge der großen Inflation  sowie der Ruhrbesetzung der Franzosen [Deutschland zahlte keine  Kriegsschulden] fiel 1923 das Schützenfest aus.
 
Als Orte in den Folgejahren dienten die Scheunen von: Buchmann (1924), Schweers (1925), Hartmann  (1926), Groß-Langenhoff (1927), usw. Von 1951 bis 1962 stellt Jahr für Jahr Bernhard Groß-Langenhoff, ein großer Gönner des Vereins, seine Räume für den Verein zur Verfügung. Seit 1963 hat auch Nordbrock für die  Feier ein Zelt. Die jeweiligen Austragungsorte der Feste sowie die Königspaare sind der Festschrift des Schützenvereines zu entnehmen. Ich füge die Königs- und Thronpaare ab 1996 am Ende des Kapitels auf. Feststehende Termine hatten die Vereinsbrüder von Nordbrock für ihre Feiern nicht. Die Tage wurden jeweils auf einer Generalversammlung festgelegt. Später ging man dazu über, den Muttertag zum Schützenfesttag zu erheben.
   
In den Protokollbüchern sind  auch die Namen einiger Vereinskapellen verzeichnet, so 1949 die  Ringenberger Kapelle und 1950 sowie 1951 die Musikkapelle von Lankern vereint mit dem Tambourcorps Lankern.
Vereinswirt war beim ersten Fest Bernhard Küpper aus Dingden. Ab 1927 übernahm stets der Wirt Albert  Schlebusch aus Nordbrock die Bewirtung der Gäste. Er eröffnete im  gleichen Jahr in Nordbrock eine Gastwirtschaft. Noch heute ist die  Gaststätte das Vereinslokal der Schützen.
  
Wirtschaft Schlebusch um 1950
Die hohe Arbeitslosenquote sorgte in den Städten gegen Ende der 20-er Jahre für große Unruhe. In  den Landgemeinden und Bauerschaften spürte man hiervon nicht viel. Einschneidendes Erlebnis war aber die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933. Zwar beschloss man einstimmig, eine Schützenfahne anzuschaffen, doch waren viele stark  enttäuscht als dann die Fahnenweihe war. Unter der Leitung der SA war  der Weiheakt sehr „bräunlich gefärbt“. Im Anschluss der Weihe trat ein A-Mann ans Rednerpult und hielt eine Ansprache. Als dieser die Gegner der NS-Regierung als Bonzen und Verräter titulierte, verliefen die  nachfolgenden Schützenfeste nicht mehr in der gewohnten Harmonie.
 
Diese am 10. September 1933 eingeweihte Fahne wurde im Rahmen des Schützenfestes auf dem Hof Buchmann vom Dingdener Amtmann Dörner enthüllt. Erster Fähnrich wurde Heinrich Möllmann. Folgender Spruch – aus der Feder von Alois Bengeforth  – zierte das neue Vereinsbanner:
  
Nordbrock, dat kleine Stücksken Land, steht fast ass ne Eicke to Gott un Vaterland. Daneben  waren die Nordbrocker Wahrzeichen (Kapelle, Schule und Gaststätte  Schlebusch) auf der Fahne vertreten.
  
Das erste Fest nach dem Krieg war 1948 auf den Hof Hermann Terhorst. Zwar wurde kein  Schützenfest, aber zum ersten Mal wieder zusammen in der Gemeinschaft  aller Nordbrocker, gefeiert. Ab 1949 fanden dann wieder Schützenfeste  statt, es wurde aber zuerst nur mit der Armbrust geschossen. Jede Art von anderen Waffen war von der alliierten Militärregierung verboten. [Übrigens: 1939 wurde der König durch Scheibenbeschuss in der Wirtschaft  bestimmt und 1952 schoss man mit einem Kleinkaliber.]
 
1950 wurde die Vereinsdoppelspitze bestehend aus Major und Hauptmann eingeführt. Der bisherige Hauptmann Josef Groß-Heynk wurde dabei zum Major befördert.  [Als seine Amtszeit 1960 ablief, erhielt er für seine 25-jährige  Vorstandsarbeit einen besonderen Orden und wurde für seine Verdienste zum Ehrenpräsidenten ernannt.] Da die Engländer nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges alle Vereinsfahnen und sonstigen Banner, die sie finden konnten, beschlagnahmten, war auch die Nordbrocker Schützenfahne konfisziert worden. Daher beschloss der Verein 1950 ein neues Vereinsbanner anzuschaffen. Diese neue Fahne wurde am 10. Juni  1951 bei dem Schützenfest feierlich eingeweiht und ist auch noch heute im Einsatz. Unter der Überschrift „Fahnenweihe beim Schützenverein  Nordbrock“ war im Bocholter- Borkener Volksblatt vom 12. Juni 1951  nachfolgender Artikel zu lesen, den ich gekürzt wiedergebe:
 
„Die Fahnenweihe bei der St. Antonius-Schützenbruderschaft in Nordbrock wurde zu einem frohen Erlebnis aller Teilnehmer und zu einem Festtag der Bauerschaft  Nordbrock, die auf eine 30jährige Tätigkeit der Schützen in Einigkeit und Brüderlichkeit zurückblicken kann. Seit Wochen wurde das große Fest vorbereitet. Am Vortage regten sich fleißige Hände, um alles festlich zu ordnen und zu schmücken. Am Festtag strömten die Schützenbrüder der Nachbarvereine Nordbrock zu, um an der Fahnenweihe teilzunehmen.
  
Trotz dem schlechten Wetter fanden sich die Nachbarvereine, wie der Männer- Schützenverein Dingden, die Schützenvereine aus Lankern und Berg, der Junggesellenschützenverein Dingden, der Antonius-Schützenverein Bocholt und der Crommerter Schützenverein mit ihren Mitgliedern ein. Im Festzug bemerkte man u. a. Bürgermeister Klein-Hitpaß, Gemeindedirektor Rövekamp, Landrat Dr. Schneemann und Ministerialrat a. D. Neuhaus. Nach dem Ausholen des alten Königspaares ging es mit klingendem Spiel zur Festwiese bei Rittmann, wo die Fahnenweihe anschließend stattfand.
 
Gemeinderatsmitglied Johann  Hufe eröffnete die Feierstunde und hieß alle Vereine und Gäste herzlich willkommen. Er betonte, daß die alte Fahne des Nordbrocker Schützenvereins in den Fronttagen des Jahres 1945 verloren gegangen sei.  Dank der Rührigkeit des Vorstandes und jetzigen Vorsitzenden konnte eine neue Fahne wiederbeschafft werden. (...) In seinen weiteren  Ausführungen betonte Hufe, daß Zusammengehörigkeitsgefühl aller ingesessenen und die Einigkeit stets oberstes Ziel gewesen sei. Diese alte Tradition verpflichte noch heute ein jedes Mitglied und nicht  zuletzt auch alle Gemeindeeinwohner. (...)
 
Gemeindedirektor Rövekamp  betonte, daß es ihm eine Freude sei, an der Fahnenweihe des Vereins teilzunehmen und daß er der Einladung zu dieser Feierstunde gern nachgekommen sei. Die neue Fahne werde allen Ansporn zur Einigkeit sein. Die heutige Generation verpflichte sich, diese alte Tradition der kommenden in unverfälschter Form zu überliefern.
   
Nach einem sinnvoll vorgetragenen Prolog enthüllte Bürgermeister Klein-Hitpaß die neue  Fahne. Er sprach seinen Dank und die Anerkennung für die stolze  Überlieferung und Traditionsbewahrung aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die neue Fahne dem Verein Symbol und Wegweiser werden möge. In diesem Sinne sprach auch Landrat Dr. Schneemann den Festteilnehmern zu. Die weiteren Überreichungen der Fahnennägel durch die erschienenen Nachbarvereine legten Zeugnis der innigen Verbundenheit und Einigkeit unter den Schützenbruderschaften ab. Der Vorsitzende des Vereins, Josef Groß-Heynk, fand abschließend herzliche Dankesworte, besonders aber auch  für alle, die zur Anschaffung der Fahne beigetragen haben.
Gemeinsam erlebten die Gäste und Gemeindeeinwohner Stunden der Freuden auf der Festtenne des Bauern Groß-Langenhoff.
  
Am Montagmorgen gedachte man ganz besonders der Gefallenen und Verstorbenen der Gemeinde. In großer Zahl hatten sich die Einwohner in der Kapelle eingefunden. Hier erhielt die neue Fahne die kirchliche Weihe.“
Im Anschluss an den  Gottesdienst fand erstmalig nach dem Zweiten Weltkrieg wieder die Gefallenenehrung mit der Kranzniederlegung vor dem Kreuz vor der Kapelle statt.
  
Nordbrocks Schützenfahne
Die Generalversammlung 1952 beschloss, für die Königsplaketten eine Kette anzuschaffen; auch rückwirkend für ehemalige Königspaare. Diese Kette besteht unter anderem  aus den Plaketten der letzten 16 Könige. Passend zur Königskette wurde  ein Diadem für die Königin erworben. Beides bildet eine harmonische Einheit und symbolisiert die Ehrung des amtierenden Königspaares. 1952 stellte der Verein auch das Mahnmal an der Kapelle fertig, das 1967 durch ein neues Kriegerdenkmal ersetzt wurde (siehe Chronik der Kapelle). Im Jubiläumsjahr 2001 initiierte der Vorstand die Neufassung der Vereinssatzung. Lange schon hat die alte Satzung kaum noch aktuelle Bedeutung. Auf den Mitgliederversammlungen wurden einzelne Passagen  jeweils angepasst und schriftlich festgehalten, ohne aber die gesamte Satzung jeweils neu abzufassen. Die neuen Statuten lösen damit das wackelige Gebilde ab. Beschlossen wurde die neue Satzung auf der Generalversammlung am 5. Januar 2002.
 
Auffällig ist, dass keine  Pferde im Zug geführt werden. Seit 1966 wird darauf verzichtet. Durch  den Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft fehlen Pferde auf den  Höfen. Zum anderen verzichtete man aus Sicherheitsgründen auf ihre  Mitführung.
Schützenfest 1994: Antreten bei strahlendem Wetter Zu den Höhepunkten der Vereinsgeschichte zählen  das 50- und das 75-jährige Jubiläum des Nordbrocker Vereins. Um 1971 und  1996 diese Schützenfeste besonders hervorzuheben, veranstaltete man aus diesen Anlässen ein Kaiserschießen, bei dem sich alle noch lebenden Könige in der Geschichte des Vereins um die Kaiserwürde bewarben. 1971 ging Alfons Möllmann, 1996 Bernhard Ellering als Kaiser aller Könige hervor. Passend zum Jubiläum 1996 brachte der Verein eine Festschrift  heraus, die einen Rückblick auf die Vereinsgeschichte gibt.
   
Parade des alten und neuen Kaiserpaares
Das alljährliche Sommerfest der Nordbrocker Antonius-Schützen findet seit 1971 regelmäßig statt und wird jährlich auf einem anderen Gehöft gefeiert. Ein Beitrag der  Mitglieder des Schützenvereins stellt die Finanzierung des Festes  sicher. Aus dem Gemeindeleben ist dieses Fest nicht mehr wegzudenken. Für die Nordbrocker Kinder und Jugendlichen wurde erstmals 1980 ein Kinderschützenfest veranstaltet. Weil es großen Anklang fand, wird es - wie das Sommerfest -jedes Jahr auf einem anderen Hof einer Nordbrocker Familie veranstaltet. Das erste Kinderschützenfest feierte Nordbrock auf dem Hof der Familie Wellmann. Wilhelm Wellmann setzte sich besonders für diese Feierlichkeit ein und förderte die Kinderschützenfeste.


Kapellengemeinde Nordbrock  
 
      

Die Geschichte der Kapellengemeinde Nordbrock

1923
Der Plan, eine Kapelle in Nordbrock zu bauen bestand schon lange. Damit würde der am Sonntag bis zu 9 km weite Kirchweg zu Fuß zur Dingdener Pankratiuskirche vielen Nordbrocker Familien erspart bleiben. Besonders  im Winter ist diese Strecke sehr beschwerlich. Im Sommer dieses Jahres  werden die Weichen gesetzt. Pfarrer Anton Baurichter, Vikar Karl Spaning und Kaplan Franz Janmieling aus Dingden sowie Lehrer Waldemar Rohde und  die Kirchenvorstandsmitglieder Wilhelm Hufe, Alois Bengeforth und Gerhard Frankemölle aus Nordbrock setzen sich für den Bau einer neuen Kapelle ein. In der Frage des Grundstücks treten die Nordbrocker an die politische Gemeinde Dingden heran. Am 27. Juni wird von der Gemeindevertretung daraufhin folgender Beschluss gefasst: „Auf Antrag der Bauerschaft  Nordbrock, die Gemeinde Dingden möge zum Bau einer Kapelle ein  Grundstück in der Nähe der Schule Nordbrock abtreten, beschließt die Gemeindevertretung einstimmig, dass sie mit der Übereignung eines Grundstücks in einer angemessenen Größe zum Zweck der Erbauung einer Kapelle grundsätzlich einverstanden ist. Die Auflassung soll erfolgen, sobald der Bau einer Kapelle feststeht. Alsdann soll auch die Lage und  die Größe der Parzelle noch näher bestimmt werden“. Anwesend in dieser Sitzung sind: Amtmann Dörner, Beigeordneter Kösters, Gemeindevorsteher Hoffmann sowie die Gemeinderatsmitglieder Freesmann, Daniels, Nienhaus, Thünte, Looks, Vehns, Hörnemann und Hufe. Die Nordbrocker wollen – trotz Hyperinflation – je Morgen 5 Pfund Fleisch  für den Kapellenbau stiften. Einige „Grenzfamilien“ aus Berg und  Krommert verpflichten sich mit.
Für sie ist die Kapelle günstiger zu erreichen als die Kirchen in Dingden oder Rhede. Jede Familie leistet eine Abgabe. Nachgewiesen sind:

Name Größe des Hofes (Morgen) zu liefern (in Pfund)
 
  • Belting, Theodor 25? [nicht angegeben] 125
  • Bengeforth, Alois 20 100
  • Blomen, Heinrich 25 150
  • Daniels, Bernhard 5 25
  • Daniels, Wilhelm 220 1.200
  • Frankemölle, Gerhard 30 150? [nicht angegeben]
  • Groß-Bölting, Wilhelm 90 450
  • Groß-Heynk, Johann 40 300
  • Groß-Langenhoff, Bernhard 250 1.300
  • Hartmann, Johann 160 900
  • Hartmann, Wilhelm 30 150
  • Hegering, Bernhard 25 150
  • Hegering, Wilhelm 25 150
  • Hufe, August 25 150
  • Hufe, Wilhelm 215 1.200
  • Joosten, Theodor 20 100
  • Keiten-Schmitz, Heinrich 80 400
  • Knipping, Bernhard 40 250
  • Leiting, Gerhard 50 250
  • Möllmann, Gerhard 180 100
  • Möllmann, Heinrich 45 250
  • Mumbeck, August 15 75
  • Paus, Heinrich 45 250
  • Ritte, Bernhard 55 300
  • Rittmann, Gerhard 45 300
  • Schäfer, Hermann 15 75
  • Schlebusch, Albert 100 600
  • Schweers, Johann 90 450
  • Siemen, Bernhard 40 500
  • Sieverdingbeck, Heinrich 180 1.000
  • Sondermann, Bernhard 40 250
  • Stegemann, Wilhelm 20 120
  • Terhardt 12 60
  • Terhorst, Karl 120 700
  • van der Linde 17 100
  • Wellmann, Wilhelm 20 100
  • Wülfing 80? [nicht angegeben] 500
  • Wullweber 15? [nicht angegeben] 75
  
Familie Paus, genannt Homesmann, spendet das 1.400 m2 große Grundstück gegenüber der Schule und lässt es vermessen. Damit tritt man vom ursprünglichen Plan ab, ein öffentliches Grundstück in Anspruch zu  nehmen. Architekt Tinnefeldt aus Wesel fertigt im August die Pläne an und übernimmt die Bauleitung. Als Maurer wird Meister Nachtigall aus  Homer gewonnen, die Gebrüder Schlatt aus Krommert übernehmen die  Arbeiten am Dach. Die Schreinerarbeiten führt Wilhelm Stegemann aus Nordbrock aus, während  die Kirchenbänke von Heinrich Hitpaß und die Türen (zweiflüglige  Haupteingangstür und die Sakristeitür) von Heinrich Schmänk aus Dingden  hergestellt werden. Heinrich Schmänk sorgt auch für die Installation der elektrischen Anlagen. Peter Goldkuhle aus Rhede zeichnet sich für die  Ausmalung verantwortlich. Das  Bischöfliche Generalvikariat in Münster genehmigt am 26. September den  Bauplan unter der Bedingung, dass die Dingdener Pfarrgemeinde für die  Seelsorge der zukünftigen Kapellengemeinde verantwortlich ist und einen  Priester bereitstellt. Pfarrer Baurichter sichert dies dem Bischof  ausdrücklich zu. Am  29. September, dem Fest des hl. Erzengels Michael, findet die  feierliche Grundsteinlegung durch den Dingdener Pfarrer Baurichter  statt. Zum Kirchenpatron wählt man den hl. Antonius den Großen, zur Ehre  des Pfarrers Baurichter. Zudem ist St. Antonius Schutzherr der  Landwirtschaft, der Viehzucht und Helfer gegen Feuer und Krankheiten sowie der Name des Nordbrocker Schützenvereins. Fast  alle Nordbrocker nehmen an diesem festlichen Akt teil, ebenso Amtmann  Josef Dörner und der Landrat des Kreises Rees, Dr. Theodor Schneemann  [er besitzt das Gut Stamm in Nordbrock]. Eine Roggenkollekte wird im Spätherbst vom Amt Dingden genehmigt. Damit soll  weiteresGeld zur Errichtung der Kapelle aufgebracht werden. Die Kollekte bringt einen „ansehnlichen Betrag“ ein. Mit der Währungsreform am 15. November wird die Rentenmark festgesetzt (1  Rentenmark entspricht nun 1 Billion Mark). Dadurch sind die Geldmittel  für den Kapellenbau erschöpft und der Rohbau liegt vorerst still. Eine  weitere Folge der Währungsreform sind die stark gesunkenen  Fleischpreise. Sie fallen extrem ab und sind noch unter denen der Vorkriegszeit.
  
1924
Der Kapellenverein, ein eingetragener Verein zur Fertigstellung und Unterhaltung der Kapelle, wird ins Leben gerufen. Vorsitzender des Kapellenvereins ist der jeweilige Pfarrer von Dingden, stellvertretender Vorsitzender wird der Gemeindevorsteher Nordbrocks, Schriftführer und Rendant der jeweilige Lehrer an der Nordbrocker Schule [falls alle Mitglieder des Vereins sind]. Ein stellvertretender Schriftführer ist zu  wählen. Am 20. Januar nimmt der neue Verein in seiner konstituierenden Sitzung seine Satzung an, wonach alle Vereinsmitglieder monatlich einen  Betrag von 5 Goldpfennigen je Morgen entrichten. Einstimmig gewählt werden Pfarrer Anton Baurichter zum 1. Vorsitzenden, Wilhelm Hufe zum stellvertretender Vorsitzenden, Waldemar Rohde zum Schriftführer und Kassierer und Alois Bengeforth zum stellvertretenden Schriftführer und Kassierer. Die Eintragung beim Amtsgericht Bocholt erfolgt am 9. Februar unter Nr. 44. Dadurch erhofft man, von der Bank ein Darlehen für den Bau zu erhalten. Doch dazu kommt es nicht. Zu Ostern, 16. April, beginnen die Bauarbeiten wieder, die aber nur sehr zögernd verlaufen. Zu dem Münsteraner Bischof Johannes Poggenburg, der gerade in Loikum die Jugendlichen firmt, entsendet Nordbrock eine Abordnung. Der Bischof gewährt daraufhin zur Fertigstellung der Kapelle eine Geldspende in Höhe von 3.000,00 RM. Aus der Schlosskapelle Krechting erwirbt man einen alten barocken Altaraufsatz aus Holz. Er stammt aus der Zeit um 1670 und erhält in der Kapelle seinen Platz. Am 23. April erfolgt die Anmeldung bei der RWE AG zum Bezug von Strom.  [Damit ist die Kapelle das wahrscheinlich erste mit elektrischer Energie  versorgte Gebäude. Erst 1927 begann in Nordbrock die allgemeine Elektrifizierung.] Der Bischof von Münster erteilt für Dingden Binationsvollmacht. „Einem der  Priester, die der Kirchengemeinde Dingden zugeschrieben sind, erteilen  wir die Genehmigung gültig auf drei Jahre, an den Sonn- und Testtagen  für den Fall, dass ein dritter Priester, der zelebrieren könnte, nicht  da ist, zwei heilige [Opfer] zu feiern, wobei jedoch das feste Verbot  bestehen bleibt, das [Mess–] Stipendium für die zweite Messe zum eigenen  Nutzen anzunehmen, mit Ausnahme des in unserem Brief vom 15. April 1898 bezeichneten Falls (Kleyboldt, I. Sammlung Seite 165) und unter Wahrung  all dessen, was gemäß der entsprechenden Rubriken zu beachten ist. Für  den Fall der Erkrankung oder der erlaubten Abwesenheit gilt diese Genehmigung auch für den Vertreter.“ So kann in Zukunft die  Kapellengemeinde Nordbrock von der Dingdener Pfarrgeistlichkeit betreut werden. Pfarrer Baurichter weiht am 8. Juli die neue Kapelle, unter großer Beteiligung der ganzen Gemeinde, [nach dem Formular Rit. Rom Tit. VIII. cap 27]  feierlich ein. Danach wird erstmalig im neuen Gotteshaus ein festliches Levitenamt von Pfarrer Baurichter, assistiert von den beiden Hilfsgeistlichen, gefeiert. Als Ehrengäste nehmen Amtmann Dörner und Landrat Schneemann an der Messe teil. Zur Weihe singt der Cäcilienchor  der Dingdener Kirchengemeinde. Im Anschluss der Weihe findet ein gemeinsames Festessen der Gemeinde mit der Pfarrgeistlichkeit sowie dem  Amtmann und dem Landrat als Ehrengäste in der Scheune von  Groß-Langenhoff statt. [Hermann Küpper aus Dingden lieferte für dieses  Fest: Puddingpulver, Mandeln, Rosinen, Himbeeren, Muskat, Krepp-Papier, Vanille, Zucker, Mehl, 1 Flasche Likör, 3 1⁄2 l Schnaps, Schnittchen und Bier.] Links und rechts des Portals kleine, hochrechteckige Fenster; im  Tympanon hängt ein schlichtes lateinisches Kreuz. Im Giebel befinden sich rechts und links kleine Rundfenster. Während  der Ortgang in der unteren Hälfte des Giebeldreiecks mit holländischen Dreiecken verziert ist, ist die obere Hälfte mit Brettern verschalt, darin sind zwei kleine quadratische Sprossenfenster. Die nördliche Langhauswand, an die im Osten die Sakristei mit Pultdach angebaut ist, hat zwei, die südliche drei Rundbogenfenster. Die dreifach gestufte Decke des einschiffigen Saales wird von einer offenen, hölzernen Binderkonstruktion getragen, die auf Konsolen aufliegt. Der Chor wird durch einen Triumphbogen vom Langhaus getrennt. An der Westfassade befindet sich die Empore von 2,0 m x 5,0 m Größe. Die Kapelle ist (nach der Beschreibung des Architekten) für 72 Sitz- und 80 Stehplätze für Erwachsene und 60 Kinderplätze eingerichtet. Auf eine Kanzel wird verzichtet. Sie passt aus architektonischen Gründen nicht in die Kapelle. Der Priester verkündet das Evangelium vom Altar  aus. Damit wagt man einen sehr mutigen und modernen Schritt.  Ab  sofort ist – auf bischöfliche Anmerkung – jeden Sonn- und gebotenen Feiertag, mit Ausnahme des Fronleichnamsfestes, um 8:30 Uhr und dienstags um 8:00 Uhr eine hl. Messe mit kurzer Predigt. Auch soll den Nordbrockern „Gelegenheit zum Beichten und zum Empfang der hl. Kommunion  geboten werden“. Die Gottesdienste werden von einem der Pfarrgeistlichen zelebriert. Er hält in den Sommermonaten auch  Christenlehre ab. Pro Messe erhält er 10 Rentenmark. Der Ortsgeistliche wird in Dingden abgeholt und nach dem Gottesdienst wieder zurück  gebracht. Da der Geistliche sich den ganzen Vormittag in Nordbrock aufhält, wird er von der Kapellengemeinde beköstigt. Dies regelt ein Vertrag zwischen dem Nordbrocker Kapellenverein und dem Dingdener Kirchenvorstand vom 8. Juli. Die gesamten Baukosten der Kapelle lassen sich aufgrund der starken Geldentwertung bzw. der Währungsumstellung nicht ermitteln. Am  23. Juni repariert J. Rindlisbacher aus Bocholt ein Harmonium für 12,50  Rentenmark. Es ist also schon ein Instrument vorhanden. Größe, Alter sowie dessen Disposition sind nicht bekannt. Wahrscheinlich war mit dieser Reparatur das Harmonium wieder soweit hergerichtet, dass es für die Zwecke der Kapelle tauglich war. Lehrer Rohde begleitet die Gemeinde während der Gottesdienste musikalisch. Damit die Geistlichen und Messdiener nicht ständig auf fremde Utensilien angewiesen sind, werden vier römische Kasel [= Messgewänder des Priesters] aus Seidendamast in den liturgischen Farben weiß, violett, rot und oliv, eine Leinenalbe mit sechs eingesetzten Motiven, eine Beichtstola, zwei Altarglocken [Dreiklang aus verniertem Messing], zwei Glasmesskännchen mit Teller, ein Weihwasserkessel, zwei Messdienergarnituren [bestehend aus zwei Messdienertalare und zwei  Messdienerröckchen] sowie diverse Zubehör- und Gebrauchsgegenstände für insgesamt 996,75 Goldmark gekauft. Schreinermeister Heinrich Hitpaß aus Dingden fertigt für 358,00 Goldmark einen Beichtstuhl und einen Tisch. Zu Weihnachten wird eine Krippe für 240,00 Goldmark angeschafft und aufgestellt. Die Krippe stammt aus der Bildhauerei A. Mormann aus  Wiedenbrück.
  
1925
Auf Antrag des Kapellenvereins vom 7. Januar wird die Zahlung des Betrags je Messe für ein Jahr eingestellt. Der Kirchenvorstand genehmigt den Antrag in seiner Sitzung am 11. Januar 1925. „In Anbetracht der nötigen  Ausgaben für die noch fehlenden Sachen“ sei „es für den Verein eine schwere Aufgabe, die regelmäßigen Zahlungen pünktlich zu leisten“. Am 12. Februar wird das Harmonium erneut von J. Rindlisbacher repariert. Wieder werden 12,50 Rentenmark berechnet. Aus der Glockengießerei Petit  & Edelbrock, Gescher, werden für 1.008,25 Goldmark zwei kleine Bronzeglocken und ein Glockenstuhl angeschafft:
  
Antonius-Glocke: Auf den Ton „Fis“ gestimmt, Ø 0,52 m, 83 kg,
Angelus-Glocke: Auf den Ton „A“ gestimmt, Ø 0,43 cm, 50 kg.
 
Beide Glocken wurden vom Domchordirektor Cornter aus Münster geprüft. Nach seiner Beurteilung sind die Töne „rein und klangschön. Das Intervall der kleinen Terz ist gut getroffen; das Gesamtgeläute ist von recht  lieblicher Wirkung“. Am 21. Mai (Christi Himmelfahrt) werden diese Glocken von Vikar Spaning, der für diese Handlung eigens von Pfarrer Baurichter „subdelegiert“ wird, geweiht. Aufgehängt werden die beiden Glocken am darauf folgenden Tag. Im Sommer baut Albert Schlebusch sein Haus auf dem Grundstück der alten Schule. An der Kapelle werden deshalb das Holzkruzifix und das Hagelkreuz neu aufgestellt. Das Kruzifix stand ursprünglich auf dem Dingdener Friedhof, der 1803 angelegt wurde (heute der alte Friedhof an der Krechtinger Straße). Um 1880 holte Bauer Hufe das Kreuz von Dingden ab, um es an der Schule aufzustellen. Das Hagelkreuz wurde am 1. August 1877 nach einem schweren Hagelschlag an der Nordbrocker Schule  aufgestellt, 1919 beim Abbruch des alten Schulgebäudes entfernt und auf dem Hof Hufe aufbewahrt. 1921 wurde es dann erneut an der neuen Schule  aufgestellt. Die Mitgliederversammlung des Kapellenvereins beschließt am 30. Dezember, einen neuen Ofen für Sakristei und einen Ofenschirm für die Kapelle  anzuschaffen.
 
1926
Ein  Antrag auf Binationsvollmacht wird vom Bischöflichen Generalvikariat am 15. März abgelehnt. In der Begründung heißt es: „Es scheint uns nicht zulässig, dass dem Kapuzinerpater, der alle 2 Monate in Nordbrock  Aushilfe leistet, Binationsvollmacht erteilt wird. Wir können nicht erkennen, weshalb an diesen Sonntagen eine zweite hl. Messe notwendig sein sollte, während sie an den Sonntagen, an welchen von Dingden aus der Gottesdienst in Nordbrock besorgt wird, entbehrt werden kann. (...) Würde die Bination den Pater gestattet, so würde sich auch bald ergeben, dass die an allen Sonn- und Feiertagen verlangt würde.“ Damit auch von Nordbrock aus Versehgänge durchgeführt werden sollen, werden eine Krankenpatene, ein Ölgefäß, eine Burse, eine Bursentasche, ein Korporale sowie ein Purifikatorium zum Preis von 116,90 RM erworben. Franz Groß-Langenhoff beginnt in St. Antonius seine Tätigkeit als  „Kirchenmusiker“. Familie Leiting erklärt sich bereit, bis auf weiteres  den Kapellengarten zu pflegen. Stirbt ein Mitglied des Kapellenvereins oder der Angehörigen, soll vormittags zwischen 9:00 Uhr und 11:00 Uhr dreimal jeweils fünf Minuten geläutet werden. Dafür sprechen sich die  Nordbrocker aus. Bei Erwachsenen wird mit beiden, bei Kindern nur mit der großen Glocke geläutet.
  
1927
Der  Wunsch des Kapellenvereins in der Kapelle das Allerheiligste  aufzubewahren wird vom Bischöflichen Generalvikariat einstweilig nicht  gestattet. „Nach den Bestimmungen des Kirchlichen Gesetzbuches can. 1255 kann die Aufbewahrung des Allerheiligsten nur dann gestattet werden, wenn ein Geistlicher da ist, der die Sorge für das Allerheiligste hat“. Dieses teilt das Generalvikariat mit Schreiben vom 29. Januar mit. Eine  schwarze römische Kasel mit kleinen Teilen, eine schwarze Pultdecke und  ein „Missale defunctum“ (= Totenmessbuch) werden für 200,60 DM angeschafft. Nun können auch Seelenämter in Nordbrock zelebriert werden.
  
1928
Es  werden neue Fenster mit Bleiverglasung von der Firma Josef Menke aus  Goch in der Kapelle eingesetzt. 450,00 RM kostet dieses Vorhaben. Lehrer Rohde hat sich der Anschaffung der neuen Fenster besonders angenommen. Zwei  Figuren, die Gottesmutter Maria und eine Herz-Jesu-Statue, werden von der Familie W. Daniels gestiftet und erhalten ihren Platz am Altar im  kleinen Nordbrocker Gotteshaus. Ab  diesem Jahr fällt – neben Fronleichnam – auch am Sonntag nach der Oktav  des Fronleichnamsfestes, am Sonntag Quinquagesima [= der 50. Sonntag]  und am Sonntag der äußeren Feier des Kirchenpatrons der Gottesdienst in Nordbrock aus. Für die Dauer von drei Jahren wird dem aushilfeleistenden  Pater [an etwa acht Sonn- und Feiertagen hält er in St. Antonius den  Gottesdienst] Binationsvollmacht erteilt. Das bedeutet, dass er an einem Tag zwei Messen lesen darf.
  
1929
Pfarrer Baurichter verzichtet am 1. Mai aus Altersgründen [er ist bereits 80 Jahre alt] auf seine Pfarrstelle in Dingden. Am 15. Mai bezieht er eine Wohnung im St.-Rochus-Hospital in Telgte. Am 11. August feiert Pfarrer Krimphoff die erste Sonntagsmesse in Nordbrock mit der Kapellengemeinde [am 27. Mai wurde er in Dingden  eingeführt]. Gegen 8:30 Uhr versammeln sich die sonntäglichen Kirchenbesucher aus Nordbrock, Berg und Krommert vor der festlich  geschmückten Kapelle. Zwei Kinder tragen dem neuen Pfarrer ein kurzes  Willkommensgedicht vor und überreichen ihm einen Strauß  Margaritenblumen. Anschließend begrüßt Wilhelm Hufe, Vizevorsitzender des Kapellenvereins, den Geistlichen im Namen der Nordbrocker Gemeinde. Hiernach beginnt der Pfarrer mit dem feierlichen Hochamt. In der Predigt weist er darauf hin, dass es der Jugend von Nordbrock leichter gemacht sei als in ihren  Vorjahren, sodass die Kapelle gleichzeitig ein Segen für die Nordbrocker Schulkinder sei. Er verspricht, den Kapellenverein jederzeit und gern  in seinen Anliegen zu unterstützen, soweit es in seinen Kräften stehe. Nach dem Gottesdienst trifft sich die Gemeinde zusammen mit ihrem neuen Pfarrer zu einem gemütlichen Zusammensein in der Wirtschaft Schlebusch. Auf  der Generalversammlung des Nordbrocker Kapellenvereins erklärt sich  Familie Rittmann bereit, künftig dem Geistlichen Kost und Unterkunft zu  gewähren.

1930
Eine Krankenlaterne [= Lampe zum Gebrauch für Versehgänge] aus verniertem Messing für 24,00 RM wird erworben. Neue Teppiche für die Kapelle werden zum Rosenkranzfest gekauft. Von allen Mitgliedern des Kapellenvereins wird 1⁄4 des Jagdgeldes gesammelt. Diese Sammlung ergibt die stolze Summe von 419,50 RM. Die Dingdener Firma Freesmann stellte die Läufer her.
   
1931
Bernhard Terörde gewinnt auf einer Verlosung in Marienthal eine Marienstatue. Der Marienthaler Kunstpfarrer Winkelmann hatte für sie keinen Platz mehr nachdem er seine Klosterkirche mit modernen Kunstwerken ausgestattet hat. In der Nordbrocker Kapelle findet die Madonna nun – nachdem sie in Bocholt bei der Kunsthandlung Karl Wissing für 195,00 RM restauriert  wurde – ihre Aufstellung. Die Firma Josef Büsken aus Raesfeld nimmt umfangreiche Malerarbeiten im Innen- und Außenraum vor. Als Kosten entstehen dafür 194,64 RM. Für  Nordbrock steht – trotz der Neuerungen in der Kapelle – ein „kämpferisches Jahr“ bevor. Die Fronten zwischen Kapellenverein und Pfarrer Krimphoff verhärten sich zusehens. Nach dem einstimmigen Beschluss des Kirchenvorstandes von St. Pankratius „an den Sonn- und  gebotenen Feiertagen, wo für Nordbrock kein Priester zu haben ist und in der Pfarrkirche außer den beiden Pfarrgeistlichen noch ein Aushilfe leistender Pater vorhanden ist, (...) mit Gutheißung des Pfarrers entweder der Kaplan oder der Pater – falls sie wollen – eine hl. Messe in Nordbrock übernehmen. Für diese Fälle wird von der jährlich nach Nordbrock abzuführenden Summe der Kirchensteuer aus Nordbrock der Betrag pro Sonntag oder Feiertag abgezogen, den der Kapellenverein sonst zu zahlen pflegt, also heute 15 Mark. Es wird grundsätzlich und praktisch  daran festgehalten, daß in allen Fällen, wo die Pfarrkirche keine  Aushilfen für sich bekommen kann, Nordbrock für sich selbst die nötige Aushilfe verlangen muß, falls der Gottesdienst in Nordbrock nicht ausfallen soll. Falls  in Dingden wieder zwei Kapläne angestellt werden sollten, wird ein  neuer Vertrag geschlossen werden“. Ab dem 1. Januar wird dieser Beschluss wirksam. In Nordbrock löst er heftige Proteste aus, da somit  der Vertrag aus 1924 praktisch ausgehebelt wird. Vermutlich ist diese  Entscheidung Grundlage für einen Brief, den das Generalvikariat in Münstervom Kapellenverein erhält: „1.) Der Kapellenverein Nordbrock e. V. zahlt seit seinem Bestehen (1924) für jede hl. Messe an Sonn- und  Feiertagen an Dingden 10 M. Es ist nicht möglich, daß dieser Betrag weiter gezahlt wird. Zum Verständnis hierzu folgende Zahlen:
  
Der Kapellenverein umfaßt 30 Haushaltungen (meist Kleinbauern und Pächter)  mit 230 Seelen. Die Mitglieder des Kapellenvereins haben an kirchlichen  Lasten aufzubringen:
  
a)  für den Kapellenverein ca. 600 M. für die hl. Messen in der Kapelle,  für den Unterhalt der Kapelle und für Neuanschaffungen 400 – 600 M. und mehr. In den verflossenen Jahren betrugen die Ausgaben des  Kapellenvereins laut Buch:

  • 1925 – 3.655,11 M.,
  • 1926 – 993,97 M.,
  • 1927 – 1.461,79 M.,
  • 1928 – 1.878,06 M.,
  • 1929 –1.422,49 M.,
  • 1930 – 1.041,93 M.
  
b) Dazu die Kirchensteuern an Dingden, die in diesem Jahre 780 M. für die  Mitglieder des Kapellenvereins betrugen. Diese Lasten sind für die 30  Haushaltungen untragbar. Der Kapellenverein bittet deshalb das  hochwürdigste Generalvikariat, den Betrag von 10 M. für jede hl. Messe zu lassen oder so sehr zu ermäßigen, daß er der Leistungsfähigkeit des  Kapellenvereins angemessen ist.
 
2.) Bei der Einweihung der Kapelle wurde vom hochwürdigsten Herrn Erzbischof [Bischof Johannes Poggenburg trug seit 1930 den Ehrentitel des Titularerzbischofs] bestimmt, daß nureinmal im Jahr am Fronleichnamstag kein Gottesdienst in der Kapelle sein soll. Jetzt sind schon 4 Sonntage daraus geworden. Wohl ist es nicht immer möglich, daß der Dienst in der Kapelle von Dingden aus versehen wird. Das hochwürdigste Generalvikariat möge dann doch nicht die Gelegenheit nehmen Aushilfe von anderswo in Anspruch zu nehmen und bedenken, daß wir in Nordbrock, das 1 1⁄2 – 2 Wegstunden von Dingden liegt, 30 – 35 alte Leute und 20 Kinder haben, dann keine Gelegenheit geboten ihre Sonntagspflicht zu erfüllen. Außerdem hat uns jetzt auch der Herr Pfarrer von Dingden die hl. Messe am Aschermittwoch aus unbekannten Gründen gestrichen. Der Kapellenverein bittet nun das hochwürdigste Generalvikariatvorstehendes wohlwollend zu prüfen und den 1924 abgeschlossenen Vertrag in obigem Sinne abzuändern.“ Dieser Brief bzw. dessen Abschrift trägt kein Datum, steht aber – mit großer Wahrscheinlichkeit – in Verbindung mit einem zweiten Schreiben vom Oktober 1931. Hier beschwert sich Lehrer Rohde heftig beim Bischof:
 
„Es ist jetzt beinahe 1 Jahr her, als ich (...) die Wünsche des Nordbrocker Kapellenvereins vorgetragen und das Versprechen des Hochwürdigsten Herrn mit nach Hause nahm, baldigst die Angelegenheit zu regeln. Im Juli habe ich noch einmal daran erinnert, und im August mit dem Hochwürdigsten Generalvikar persönlich darüber gesprochen. Trotzdem sind wir heute keinen Schritt weiter. Hat man in Münster für uns kein Interesse, so möge es uns doch mitgeteilt werden. Der Hochwürdigste Herr wird es und wohl nachfühlen können wie es ist, wenn man tagaus tagein danach gefragt wird und nur mit Achselzucken antworten kann. Dazu kommt noch die Verständnislosigkeit des Pfarrers von Dingden, so daß der Eifer für die gute Sache verloren gehen muß.
 
So bitte ich den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof noch einmal, recht bald diese Angelegenheit zu regeln. Auf der in kürze stattfindenden Generalversammlung muß ich mich rechtfertigenkönnen, oder ich muß mein Amt im Dienste der Kapelle dem Verein zur Verfügung stellen.“ Wie spätere Quittungen zeigen, hält man am alten Vertrag fest. Nordbrock vergütet weiterhin die Gottesdienste der aushelfenden Geistlichen mit 10,00 RM. Die Pfarrei Dingden vereinnahmt allerdings die jährlich eingehenden Kirchensteuern indirekt. Am Jahresende werden sie dem Kapellenverein zurücküberwiesen. Um Kosten zu sparen, besetzt das Bistum die Stelle des zweiten Hilfsgeistlichen vorläufig nicht wieder. So schreibt am 29. Dezember Pfarrer Krimphoff „an den Vorsitzenden des Kapellenvereins Nordbrock, Herrn Landwirt Hufe. Nordbrock:
 
Der Herr Kaplan Spaning teilte mir heute morgen mit, dass er am Donnerstag, dem 31. Dez. seine neue Stelle in Ramsdorf antreten werde. Da wir zu zweien den Gottesdienst in Nordbrock nicht mitversehen können, so ist das Kapuzinerkloster in Bocholt bereit, dem Kapellenverein an den Sonn- und Feiertagen einen Pater zu geben. Der Pater ist also bereit, vom 1. Januar an den Gottesdienst in Nordbrock zu halten. Der Herr Pater kommt mit dem Morgenzuge um 7,56 Uhr und muss vom Bahnhof Dingden immer um 8 Uhr abgeholt werden und zu dem Zuge um 11,24 oder 12,54 Uhr Mittags zurückgebracht werden. Die finanzielle Regelung der Angelegenheit wird der Kirchenvorstand demnächst beschließen. Das Kloster weiß Bescheid zwar, aber geben Sie, bitte, dem Kloster sofort zur Vorsicht noch einmal Nachricht, dass es am Neujahrstage mit dem Gottesdienste beginnen möge.“ 1932 Der sonntägliche Gottesdienst wird nun um 7:00 Uhr und 9:00 Uhr von Pater Victor Isele O. M. Cap aus Bocholt zelebriert. Die Dienstagsmesse fällt dafür aus. Den Patres werden jährlich 675,00 RM als Honorar gezahlt. Die Bination gestattet das Generalvikariat am 19. Januar. Heinrich Hegering aus Nordbrock stellt für die Kapelle zwei Kniebänke [jeweils 6,80 m] und eine Rückenlehne für die Empore her. Dafür berechnet er 17,60 RM.

1933
Der Altar wird im März durch die Firma Büsken aus Raesfeld ausgebessert, erweitert und neu gestrichen. Hierfür werden 74,00 RM in Rechnung gestellt. Im Winter beginnt Malermeister Josef Büsken mit der Ausmalung der Kapelle. Es bietet sich an, einen Teil der Kosten als Zuschuss des Reiches [im Rahmen eines Arbeitsbeschaffungsprogramms] erstatten zu lassen. Am 28. November wird ein entsprechender Antrag gestellt. Schon am 1. Dezember wird „zur Bestreitung der Kosten für die auszuführenden Instandsetzungs- und Ergänzungsarbeiten auf dem Grundstück Dingden-Nordbrock die Gewährung eines Reichszuschusses in Höhe von 20 % der aus 681 RM festgesetzten veranschlagten Kosten mithin bis zum Betrage von 136 RM (...) in Aussicht gestellt“. Dieser Zuschuss dient zur Unterstützung größerer Baumaßnahmen. Ferner wird auf die Dauer von sechs Jahren eine Verzinsung von jährlich 4 % des selbst zutragenden Betrages gewährt.
 
1934
Die Endabrechnung über die Ausmalungsarbeiten der Firma Büsken weist 781,18 RM Kosten auf. Am 15. März wird der Reichszuschuss über 136,00 RM bar gewährt. Die Patres dürfen an Sonn- und Feiertagen zwei Messen abhalten. Dies erlaubt das Bischöfliche Generalvikariat mit Schreiben vom 15. August:
  
„Der Herr Lehrer Roosen [gemeint ist Lehrer Rohde] in Nordbrock hat hier fernmündlich mitgeteilt, dass für den nächsten Sonntag und die folgenden Sonntage noch kein Priester für die Abhaltung des Gottesdienstes in Nordbrock gewonnen sei. Hierdurch müssen wir Ihnen erklären, dass wir nicht in der Lage sind, einen Priester dorthin zu beordern, weil von den Seminarpriestern keiner mehr frei ist. Der Assistent im Konvikt in Lüdinghausen, Herr Kaplan Schwarte, hält sich zur Zeit in den Ferien in Münster, Lütkegasse Nr. 8 auf. Wir geben anheim, ob Sie sich an ihn wenden wollen, sofern die Kosten getragen werden können. Wenn Herr Schwarte nicht bereit ist oder ein anderer Priester von Ihnen nicht direkt gewonnen werden kann, wird, wenn in Nordbrock wenigstens eine hl. Messe gelesen werden muss, einer der dortigen Herren aushelfen müssen. Sollte die Vollmacht dazu erforderlich sein, dass dieser Herr eine hl. Messe in Dingden und eine in Nordbrock zelebriert, so geben wir hierdurch die Binationsvollmacht“. Lehrer Waldemar Rohde wird Ende August nach Lankern versetzt. Franz Groß-Langenhoff übernimmt daraufhin das Amt des Kapellenmusikers in Nordbrock vollständig.
Für 210,00 RM wird im Oktober eine neue gotische Kasel aus modernem Brokat gekauft.
  
1935
Im Frühjahr werden die Anlagen um die Kapelle neu angepflanzt. Von jedem Nordbrocker Haushalt wird eine Person zu diesen Arbeiten gestellt. Firma Rindlisbacher aus Bocholt stimmt und repariert das Harmonium für 18,00 RM. Laut Vereinbarung vom 8. Juni 1935 sorgt die Firma W. van Clewe aus Dingden dafür, den Geistlichen aus Dingden abzuholen, ihn nach Nordbrock zum Gottesdienst zu fahren und anschließend wieder nach Dingden zu bringen. Pro Sonntag berechnet er dafür 4,00 RM. Die Beiträge für den Kapellenverein werden darum um 2,00 RM erhöht. Dingden erhält am 31. August wieder einen zweiten Geistlichen: Kaplan Josef Drees. Er tritt seine Stelle am 14. September an. So kann von nun an Vikar Ludwig Haversath die Gottesdienste in Nordbrock versehen. Er wird um 7:15 Uhr in Dingden abgeholt und feiert sonntags um 7:30 Uhr und um 9:30 Uhr den Gottesdienst. Ebenso ist auch dienstags wieder eine hl. Messe. Da die bisherige Binationsvollmacht den Kapuzinerpatres galt, wird den Ortsgeistlichen am 3. Oktober gestattet, zu binieren. Auf der Mitgliederversammlung des Kapellenvereins am 26. Dezember wird u. a. beschlossen, dass die Messdiener einen jährlichen Ausflug unternehmen sollen. Die Kosten hierfür trägt der Kapellenverein. 1936 Ein Kreuzweg des süddeutschen Malers Matthäus Schiestl, der für 400,00 RM beschafft wird, erinnert ab sofort an das Leiden und Sterben Christi. Die Satzung des Kapellenvereins wird geändert. Vorsitzender bleibt der Dingdener Pfarrer. Die übrigen Vorstandsmitglieder werden durch Wahl bestimmt. Die einzelnen übrigen Positionen im Vorstand sind damit nicht mehr an besondere Ämter gekoppelt. Die Sakristei ist zu klein geworden. Maurermeister Albert Übbing aus Krechting vergrößert sie um 1,50 m in östlicher Richtung. Dies verursacht 101,70 RM Kosten. Hier wird nun ein neuer Schrank aufgestellt. Dieser Schrank wurde von der Firma Johann Klein-Wiele aus Berg gefertigt. Damit er in die vergrößerte Sakristei passt, wird der vorhandene Schrank entsprechend umgearbeitet. Die Kosten dafür belaufen sich auf 338,00 RM. Die Malerarbeiten führt wieder Josef Büsken für 24,82 RM aus.

1937
Es findet ab November dienstags um 6:00 Uhr [eine Stunde vor Schulbeginn] eine hl. Messe statt. Ebenfalls wird nach diesem Gottesdienst Christenlehre gehalten. Wie Vikar Haversath in der Kirchenchronik bemerkt, nimmt der Kommunionempfang „in Nordbrock erfreulich zu“. 4.800 Kommunionen werden innerhalb dieses Jahres ausgeteilt.              
                          
   

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St. Antonius-Schützenverein Nordbrock
1. Vorsitzender Günter Hegering
D- 46499 Hamminkeln, Ebbertsweg 4
Ansprechpartner: Günter Hegering
hegering@st-antonius-nordbrock.de
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© 2020 St.-Antonius-Schützenverein Nordbrock

21.07.2020
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